Vitamin E im Pferdefutter

Autorin – Sylvia van der Hoek, Tierärztin

Funktion und Aufnahme von Vitamin E

Die wichtigste Funktion von Vitamin E besteht darin, als Antioxidans zu wirken. Es schützt den Körper vor Schäden durch freie Radikale, also Stoffe, die beim Zellstoffwechsel entstehen und die Zellen schädigen können. Diese freien Radikale entstehen auch in den Muskeln während des Trainings. Durch seine antioxidative Wirkung sorgt Vitamin E für die Aufrechterhaltung einer guten Muskelfunktion und trägt dazu bei, bestimmten Muskelerkrankungen vorzubeugen.

Pferde können Vitamin E nicht selbst bilden; es handelt sich daher um ein essentielles Vitamin, das über die Nahrung aufgenommen werden muss. Der Vitamin-E-Gehalt in Futtermitteln schwankt stark; in frischem Gras ist er relativ hoch, doch bei der Verarbeitung zu Heu und vorgetrocknetem Silagefutter geht viel davon verloren. Bei der Verarbeitung zu Heu und vorgetrocknetem Silagefutter gehen 30 bis 80 % des Vitamin-E-Gehalts verloren, und während der Lagerung ist das Vitamin E bereits nach wenigen Monaten vollständig verschwunden.

Vitamin-E-Mangel

Im Laufe des Winters nimmt der Vitamin-E-Gehalt im Raufutter ab, wodurch es zu Mangelerscheinungen kommen kann. Zunächst kann dies ausgeglichen werden, da im Körper eine begrenzte Menge an Vitamin E gespeichert wird. Insbesondere in den Wintermonaten, wenn kein frisches Gras mehr verfügbar ist, besteht für Pferde das Risiko, einen Vitamin-E-Mangel zu entwickeln, insbesondere wenn der Bedarf an Vitamin E beispielsweise durch Stress, Training, Trächtigkeit oder Krankheit erhöht ist. Auch Pferde, die im Frühjahr und Sommer keinen Zugang zu frischem Gras haben, weisen ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-E-Mangel auf.

Folgen eines Vitamin-E-Mangels

Bei einem Vitamin-E-Mangel kann es zu Muskelschäden kommen, die sich in Muskelschmerzen, Steifheit und einer verlangsamten Regeneration nach dem Training äußern können. Beim Auftreten von Muskelverspannungen spielen mehrere ernährungsbedingte Faktoren eine Rolle; ein Vitamin-E-Mangel ist einer der Faktoren, der dazu führt, dass das Pferd ein erhöhtes Risiko hat, Muskelverspannungen zu entwickeln.

Bei bestimmten Erkrankungen ist der Bedarf an Vitamin E erhöht, beispielsweise bei EMND, EPM, PSSM oder wiederkehrender Muskelverspannung. Wenn diese Pferde nicht ausreichend Vitamin E zu sich nehmen, können sich die Symptome dieser Muskel- und Nervenerkrankungen verschlimmern.

Vitamin-E-Ergänzung

Um den Vitamin-E-Gehalt in der Futterration aufzufüllen, können mit Vitamin E angereicherte Futtermittel oder Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden. Dabei kann zwischen Vitamin E in natürlicher Form (d-alpha-Tocopherol) und in synthetischer Form (dl-alpha-Tocopherol) gewählt werden. Die natürliche Form ist am wirksamsten und wird am besten aufgenommen, ist jedoch oxidationsanfällig. Die synthetische Form von Vitamin E wird weniger gut aufgenommen und ist weniger wirksam, ist jedoch stabiler und bleibt daher im Futter besser erhalten. Bei Verwendung von synthetischem Vitamin E muss eine höhere Dosierung angewendet werden, um die gewünschte Wirksamkeit und Aufnahme zu erreichen.

Braucht dein Pferd zusätzliches Vitamin E?

  • Steht Ihr Pferd im Stall oder auf der Koppel und hat wenig oder gar keinen Zugang zu Weideland?
  • Wird dein Pferd (intensiv) trainiert?
  • Ist dein Pferd trächtig oder in der Laktationsphase?
  • Leidet Ihr Pferd an EMND, EPM oder wiederkehrender Muskelverspannung?
  • Wurde anhand einer Futteranalyse ein Vitamin-E-Mangel in der Ration festgestellt?

Health & Performance Pferdefutter

Health & Performance hat eine Reihe von Produkten entwickelt, die als Ergänzung zum Raufutter dienen und Pferde mit Muskelverspannungen unterstützen, bei denen ein erhöhter Bedarf an Vitamin E besteht. Beide Futtermittel enthalten die synthetische Form von Vitamin E in ausreichenden Mengen.

Bei Pferden, die ausschließlich mit Raufutter gefüttert werden, kann HP Forage der Ration beigemischt werden. Dieses Ergänzungsfuttermittel enthält eine Kombination aus Mineralstoffen und Vitaminen, wodurch Mangelerscheinungen aus der Raufutterration behoben werden. Für Pferde mit wiederkehrender Muskelverspannung ist HP Muscle entwickelt, dem zusätzlich Vitamin E zugesetzt wurde. HP Muscle auch für Pferde mit PSSM. Bei der Verwendung von HP Muscle der Ration ein pflanzliches Öl beigemischt, das eine Quelle für Vitamin E darstellt und dessen Aufnahme positiv unterstützt. Obwohl Muskelverspannungen so gut wie nie direkt durch einen Vitamin-E-Mangel verursacht werden, ist dieser doch ein Faktor, der zu deren Entstehung beitragen kann. Außerdem wird empfohlen, Pferden mit Muskelverspannungen aufgrund der antioxidativen Wirkung vorzugsweise eine größere Menge Vitamin E zu verabreichen (täglich 3–5 IE pro kg Körpergewicht).

Wusstest du, dass dein Tierarzt dich beraten kann? Ein gezielter und umfassender Ansatz führt zu den besten Ergebnissen.

Quellenangabe

Harris, P. A. und J. L. L. Rivero. „Ernährungsaspekte beim Rhabdomyolyse-Syndrom bei Pferden.“Equine Veterinary Education29.8 (2017): 459–465.

Geor, Raymond J., Manfred Coenen und Pat Harris.Angewandte und klinische Pferdeernährung: Gesundheit, Wohlergehen und Leistungsfähigkeit. Elsevier Health Sciences, 2013.

Müller, C. E. „Auswirkungen von Ernte-, Konservierungs- und Lagerbedingungen auf die Futterqualität.“Futterpflanzen und Weidehaltung in der Pferdeernährung(2012): 237–253.

Pferdefutter in den Händen