Die Qualität des Raufutters beurteilen
Autorin – Sylvia van der Hoek, Tierärztin
Durch Sehen, Riechen und Fühlen können wir die Qualität des Raufutters beurteilen.
Ansehen
Achten Sie auf die Farbe des Heus, die Menge an Halmen und Blättern, das Vorhandensein von Samen und Blüten, den Unkrautanteil sowie das Vorhandensein von Staub, Abfällen und Schimmel.
Schimmelpilze im Heu können Atemwegsprobleme verursachen; außerdem können bestimmte Schimmelpilze unter bestimmten Umständen Mykotoxine produzieren. Diese Toxine sind nicht sichtbar, doch die Wahrscheinlichkeit ihres Vorkommens ist bei sichtbar verschimmeltem Raufutter höher. Wenn Pferde Mykotoxinen ausgesetzt sind, hat dies negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Häufig sind die Symptome unspezifisch: Ein Pferd kann beispielsweise träger sein, unter vermindertem Appetit leiden und dünnen Kot bzw. Durchfall haben. Außerdem können Mykotoxine das Nervensystem, die Fruchtbarkeit und die Abwehrkräfte beeinträchtigen und zu Leberversagen führen.
| Wachstumsstadium | Jung | Viel Blatt, wenig Stiel |
| Blüte | Etwas mehr Blatt als Stiel | |
| Abgeblüht | Es können fast ebenso viele Blätter wie Stängel, Samen und Samenköpfe vorhanden sein | |
| Farbe | Grau | Altes Heu, weniger Nährstoffe und möglicherweise verdorben |
| Grün | Junges und frisches Heu, reich an Nährstoffen | |
| Braun | Alter, Nährstoffverlust oder
Lange Trocknungszeit, Verlust an Nährstoffen und Geschmack |
|
| Gelb | Verfärbung durch Sonneneinstrahlung bei Lagerung im Freien | |
| Umweltverschmutzung | Schlecht | Vorhandensein von Staub, Schimmel, Abfall, Erde, großen Mengen Unkraut, giftigen Pflanzen und/oder Schädlingen |
| Gut | Sauber |
Die äußeren Merkmale, anhand derer Raufutter beurteilt werden kann. Beurteilen Sie das Wachstumsstadium, die Farbe und den Verschmutzungsgrad des Grases, um die Qualität zu bestimmen.
Riechen
Der Geruch des Raufutters gibt Aufschluss über die hygienische Qualität. Prüfen Sie, ob das Heu frisch und leicht süßlich riecht. Ein stechender oder muffiger Geruch deutet auf Staub, Schimmel oder einen zu hohen Feuchtigkeitsgehalt hin.
Fühlen
Beurteilen Sie die Struktur des Raufutters und dessen Feuchtigkeitsgehalt. Durch das Betrachten erhält man bereits einen Eindruck vom Wachstumsstadium, doch durch das Ertasten lassen sich weitere Informationen gewinnen. Wenn man das Heu in die Hand nimmt und es zusammendrückt, kann man spüren, ob das Gras sticht. Stechendes Heu ist ein Anzeichen für grobes Heu.
Je feiner das Heu, desto höher der Nährwert. Weiches Heu reizt die Darmwand weniger. Etwas trockeneres, stängeliges Heu enthält mehr Ballaststoffe und fördert die Darmgesundheit. Älteres, sehr grobes Heu ist nährstoffarm und für das Pferd schwer verdaulich.
| Wachstumsstadium | Frühreif | Viele Blätter, wenig Stiel, fühlt sich weich an |
| Blüte | Viele Blätter, biegsame Stiele | |
| Abgeblüht | Trocken, stielig | |
| Zu alt | Sehr laut |
Die äußeren Merkmale der Raufuttermittel, die aus verschiedenen Wachstumsstadien von Gras gewonnen wurden.
Fazit
Anhand dieser visuellen Beurteilung lassen sich das Wachstumsstadium, die Sicherheit und der Nährwert einschätzen. Jedes Pferd hat andere Bedürfnisse, da es Unterschiede hinsichtlich des Energiebedarfs, des Alters und des Gesundheitszustands gibt. Berücksichtigen Sie dies bei der Auswahl des Raufutters. Ein Pferd mit hohem Energiebedarf oder Zahnproblemen kann mit nährstoffreichem Raufutter gefüttert werden, während ein Pferd mit geringerem Energiebedarf besser mit Raufutter mit geringerem Nährwert gefüttert wird.
Wenn der Tierarzt Health & Performance empfiehlt, wird auch eine Sichtprüfung des Raufutters durchgeführt!
Im Durchschnitt hat grobes Heu einen geringeren Nährwert als feines Heu, allerdings sind die Unterschiede im Nährwert der verschiedenen Raufutterarten sehr groß. Dies liegt daran, dass der Nährwert des Raufutters stark von vielen Faktoren abhängt, wie beispielsweise der Grasart, dem Erntezeitpunkt, der Art des Mähens und der Konservierung, der Lagerungsmethode und der Bodenqualität. Obwohl verschiedene Raufutterpartien äußerlich nahezu identisch sind, können daher große Unterschiede beispielsweise hinsichtlich des Energie-, Zucker- und Eiweißgehalts bestehen.
Um eine Futterration zusammenzustellen, die den Bedürfnissen des Pferdes entspricht, wird empfohlen, das Raufutter auf seine Nährwerte analysieren zu lassen.



