Pferde im Stall gesund halten

 Autorin – Dr. Anneke Hallebeek

Pferde im Stall gesund halten

Die Stiftung „Welzijn Paard“ hat das Gütesiegel „Pferdewohl“ eingeführt. Offenbar ist es notwendig, die eigene Basis kritisch unter die Lupe zu nehmen. In vielen Ställen stehen die Pferde in geräumigen, mit Stroh gefüllten Boxen, doch entspricht das (Futter-)Management nicht immer den Anforderungen, die wir heutzutage stellen.

Vom Arbeitspferd zum Luxuspferd

Früher wurden Pferde als Arbeitstiere in der Armee und in der Landwirtschaft eingesetzt und hatten ein recht intensives Arbeitspensum. Damals wurde dem Wohlergehen weniger Aufmerksamkeit geschenkt, und es gab sicherlich auch Missstände bei der Pflege. Aber die Pferde standen weniger lange im Stall. Heutzutage stellen wir die Pferde etwas mehr auf ein Podest. Und vielleicht „verwöhnen“ wir sie sogar ein bisschen zu sehr. Sicher im Stall, in Decken gehüllt, bei geschlossenen Fenstern und Türen. Zusätzliches Kraftfutter nach jeder Anstrengung, denn es könnte ihm ja an etwas fehlen.

Bewegung ist ein Muss

Wir müssen unsere Sichtweise darauf, was ein Pferd wirklich braucht, neu ausrichten. Ohne Ausbeutung ist ein Pferd durchaus in der Lage, unter dem Sattel, vor dem Wagen oder auf welche Weise auch immer regelmäßige Anstrengungen zu leisten. Vorausgesetzt, das Pferd wird mit Respekt behandelt und der „Nutzer“ bildet sich selbst in Reittechniken und der Pferdepflege weiter.

Denke „über den Tellerrand hinaus“

Unterbringung und Fütterung sind zwei Schwerpunkte bei dieser Pflege. Nicht jeder hat die Möglichkeit, Pferde 24 Stunden lang auf einem großen Gelände laufen zu lassen. Auf einer kleinen Weide wird es schnell matschig, was dem Wohlbefinden der Pferde nicht immer zuträglich ist. Im Stall ist es oft möglich, ein pferdefreundliches Klima zu schaffen und für sozialen Kontakt zu sorgen. Wenn die Bewohner des Stalls eine relativ feste Gruppe bilden, sollten Sie einige Pferde zusammenstellen. Aus zwei oder drei Boxen lässt sich oft leicht eine einzige Box zusammenstellen. Besser ist es jedoch, gemeinsam mit einem guten Stallbauberater nach der richtigen Lösung zu suchen.

Ein bisschen Kreativität und „unkonventionelles“ Denken können dabei nicht schaden. Achten Sie auch auf die Belüftung. Stellen Sie sich doch einmal selbst eine Weile bei geschlossener Tür in eine Box und erleben Sie die Welt Ihres besten Freundes einmal aus dieser Perspektive. Das ist ab und zu ziemlich beengend! Wenn Pferde viel Bewegung bekommen (und vorzugsweise mehr als die halbe Stunde, die derzeit als Minimum festgelegt ist), ist die Unterbringung in einer Box akzeptabel. Wird ein Pferd jedoch nur einmal alle 24 Stunden herausgelassen, dann sprechen wir doch eher von einem Gefängnis.

Verteilen Sie die Fütterungszeiten

Auch bei der Fütterung gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Nicht jedes Pferd benötigt 24 Stunden am Tag Raufutter. Es gibt jedoch noch sehr viele Ställe, in denen die Raufutterversorgung begrenzt ist und die Fütterungszeiten zu weit auseinanderliegen. Für Pferde ist es ungesund, deutlich länger als 6 Stunden zu fasten. Wenn etwas Stroh zum Knabbern vorhanden ist, kann die Fastenzeit während der Nacht durchaus auf bis zu 8 Stunden ausgedehnt werden. Wenn Sie den Stall um 18:00 Uhr schließen und erst am nächsten Morgen um 07:00 Uhr wieder füttern, steigt das Risiko für Magengeschwüre oder Koliken enorm an.

Die Gesundheit des Pferdes ist es wert

Dadurch steigt bei den Pferden auch das Risiko für Futterneid, Kribbebiss und Luftschlucken. Wenn der Futterwagen herumfährt, nehmen der Lärm und die Unruhe der Pferde im Stall zu. Sobald sie ihre Portion erhalten, fressen sie diese viel zu schnell auf. Das Kauen ist für Pferde ein wichtiger Bestandteil einer guten Verdauung. Durch zu wenig Kauen kann das Futter zu Koliken führen. Einmal erlernte unerwünschte Verhaltensweisen lassen sich nur schwer wieder abgewöhnen. Und so stellen diese Pferde stets ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. Hast du ein solches Pferd? Eine angepasste Fütterung hilft!

Änderungen am Fütterungssystem lassen sich nicht einfach umsetzen. Denn sie erfordern eine andere Arbeitsweise und einen anderen Rhythmus und können sehr einschneidend sein. Wenn das Fütterungsmanagement zur Sprache kommt und Kritik geäußert wird, wird oft eine ganze Reihe von Argumenten vorgebracht, nur um nichts zu ändern. Das ist den Pferden gegenüber nicht ganz fair. Dabei könnte es sich letztendlich so herausstellen, dass ein anderes System Ihnen mehr Ruhe und weniger Arbeit beschert. Das ist meiner Meinung nach eine Überlegung wert.